Donnerstag, 07.Apr. , 16:19

Alles Familiensache?

Für viele sind es die inhabergeführten Fachgeschäfte, die den Prinzipalmarkt ausmachen. Einige gehören seit Generationen zum Bild der Straße. Doch wie steht es um die Zukunft der Familienbetriebe in Münsters Mitte? In manchen Unternehmen gab es in den vergangenen Jahren einen Generationenwechsel. Wie sehen die zwischen 29 und 39 Jahre alten „Jungen“ die Zukunft? Die Prinzipal-Redaktion sprach für die Frühjahrs-Ausgabe des Magazins PRINZIPAL mit den „neuen“ Inhabern. Und auch die Meinung der Leser ist gefragt: Nutzen Sie die Kommentarfunktion auf dieser Seite und die Möglichkeit, Ihre Ansicht zu den Themen des Interviews zu ergänzen …



von links: Andreas Weitkamp, Alexander Grümer, Hendirk Friederichs, Jan Eismann, Jörg Heithoff (PRINZIPAL) und Thomas Zumnorde

PRINZIPAL

In vielen Innenstädten sind Ketten und Läden auf dem Vormarsch, die eine einzige Marke anbieten. Klassische Einzelhändler, die für Marken- und Warenvielfalt mit eigener Handschrift stehen, werden dagegen weniger. Ist der Prinzipalmarkt in 30 Jahren auch eine Ansammlung von Ketten und Ein-Marken-Läden – neudeutsch Monobrand-Stores?


Andreas Weitkamp

ANDREAS WEITKAMP
Wir als Anlieger haben das in der Hand. Wenn wir erfolgreich sind, wird der Prinzipalmarkt auch künftig das bieten, was ihn heute auszeichnet.


RALF KLEIMANN
Das sehe ich genauso. Der beste Beweis ist der Prinzipalmarkt. Er bietet immer noch Eigenes und Vielfalt.



Thomas Zumnorde


THOMAS ZUMNORDE
Das sehe ich ein wenig anders: Wir haben das nur bedingt in der Hand. Den Marktdruck gibt es auch in Münster. Auch am Prinzipalmarkt tauchten ja schon die unvermeidlichen Telekommunikationsläden auf. 

ALEXANDER GRÜMER
Ich fürchte, dass sich einiges ändern wird. Die Lieferanten erhöhen ständig die Anforderungen. Der inhabergeführte Einzelhändler an einem Standort hat nicht die Marktmacht, hier mitzureden. Die Lieferanten wollen die Monobrand-Stores oder Shop-in-Shop-Lösungen. Das inhabergeführte Fachgeschäft mit Markenvielfalt wird immer mehr zum Sonderfall.

HENDIRK FRIEDERICHS
Wir haben ja bereits mehrere Monostores, hinter denen keine Familienbetriebe, sondern die Hersteller stecken. Und es werden weitere dazukommen.

ALEXANDER GRÜMER
Früher bin ich gern in Düsseldorf über die Kö gegangen, um mich zu informieren. Heute ist dort nur noch ein Flagshipstore nach dem anderen.

ANDREAS WEITKAMP
Oder die Maximilianstraße in München, eine wunderschöne Straße, aber die gleichen Läden wie in Hamburg, Düsseldorf oder Berlin. Für Münster wäre das schlimm.


Hendirk Friederichs

HENDIRK FRIEDERICHS
Aber der Trend muss uns nicht wundern: Wer außer den großen Ketten ist in Zukunft fähig, hier einen Laden aufzumachen? Wenn ich den Laden nicht von meinen Eltern übernommen hätte, würde mir kein Vermieter die Fläche geben.

JAN EISMANN
Stimmt, die inhabergeführten Läden, die es hier noch gibt, sitzen oft in der eigenen Immobilie und sehen das Geschäft auch als Familienerbe. Da hängen Familien und Mitarbeiter dran – eigentlich auch Münsters Charakter als Einkaufsstadt. Es gibt viele Kunden, die von weit her anreisen nur wegen der Geschäfte. Wenn diese irgendwann exakt die gleichen sind wie in Düsseldorf oder Köln, bricht das ab. Viele würden vielleicht mehr Geld verdienen, wenn sie die Fläche vermieten würden. Und jedes familiengeführte Geschäft, das wegfällt, wird wahrscheinlich durch eine Kette ersetzt.

RALF KLEIMANN

Ja, das liebe Geld ist sicherlich reizvoll und als Gastronom und Handwerker spüren auch wir den wirtschaftlichen Druck immer mehr. Aber ein Grund weiterzumachen ist eben auch der Dienst an unserer Bevölkerung. Ich möchte auch nicht überall das Gleiche kaufen, sehen, essen oder trinken. Solange wir als Inhaber der Immobilie standhaft und innovativ bleiben, hat der Prinzipalmarkt auch sehr gute Chancen.

PRINZIPAL
Die Hersteller wollen eigene Stores oder ziehen sich teilweise aus der Fläche zurück. Hört sich so an, als wenn die noch verbliebenen inhabergeführten Geschäfte gegen den Trend schwimmen. Haben Sie die Kraft, diese Entwicklungen hier in Münster aufzuhalten?


Jan Eismann

JAN EISMANN
Dieser Trend geht doch am Kunden vorbei. Die Kunden kommen doch gerade zu uns, weil wir im In- und Ausland ein Sortiment zusammenstellen und für sie gezielt die Essenz aussuchen. Monobrand-Stores sind doch nicht kundenfreundlich: Wer läuft gerne von oben bis unten in einer Marke rum? Soll ich durch zehn Stores rennen, wenn ich mich einkleiden will? Wir machen keine Shops für Marke X oder Y, wir sind selbst der Shop. Das versuche ich unseren Lieferanten auch klarzumachen. 

HENDIRK FRIEDERICHS

Sicher sind große Marken be-kannter Hersteller Aufhänger, 
die Kunden in den Laden ziehen. Aber die großen Labels werden überbewertet. In der Mode gibt’s ein stetiges Auf und Ab der Marken. Ich muss schauen, kleinere Labels zu entdecken, die gerade kommen.

ANDREAS WEITKAMP

Richtig, das ist unsere Aufgabe: Wir entdecken für unsere Kunden feine, kleine Marken. Das ist die Existenzberechtigung des Handels. Man muss auch sehen, dass Monobrand-Store nicht gleich Monobrand-Store ist. Entscheidend ist, wer dahinter steht. Wir betreiben mit dem Van-Laack-Store und dem Gant-Store hier in Münster selbst zwei davon. Aber da hängt nicht die gleiche Ware wie in Düsseldorf oder München. Wir ordern gezielt für die Kunden hier in Münster. Wenn der Hersteller selbst den Shop betreibt, ist das sicher anders.

PRINZIPAL

Das nächste spannende Thema ist sicher das Internet. Gräbt der Online-Handel dem Prinzipalmarkt das Wasser ab?

HENDIRK FRIEDERICHS
Man kann auch vom Internet profitieren. Wenn bestimmte Labels im Internet besonders gehypt werden und in den einschlägigen Online-Stores die Ware aber nicht mehr verfügbar ist. So ist es uns in den letzten Monaten mit einem Lieferanten gegangen. Da kamen Kunden in den Laden, weil sie wussten, dass wir diese Marke führen. Aber sicher ist das Internet ein Thema. Denn jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden.


Alexander Grümer


ALEXANDER GRÜMER

Bisher ist es bei Kleidung so, dass viele Marken im Internet nicht billiger sind. Immer mehr Hersteller achten auch darauf. Und wenn die Preise stabil sind, bieten wir mit unserer Beratung einen Mehrwert, den die Kunden auch künftig honorieren werden. Und bei uns im Laden haben sie auch nicht das Problem, dass ein Kleidungsstück nicht passt.

THOMAS ZUMNORDE
Internet ist ja auch nicht nur Online-Verkauf. Aktuelle Studien sagen, dass jeder fünfte Kunde sich im Internet informiert, bevor er in den Einzelhandel geht. Es ist ja auch eine Informationsplattform. Das Internet wird da auch für uns ein immer wichtigerer Faktor. Hier müssen wir stärker unsere Kompetenz vermitteln. Für viele von uns gibt es hier erhebliches Ausbaupotenzial.

JAN EISMANN
Richtig: Und es geht beim Kauf im Internet ja nicht nur um den Preis. Viele Kunden kaufen im Internet, weil es einfach bequemer ist. Und da kann Online-Verkauf auch ein sinnvoller Kundenservice für stationäre Händler sein. Zumal wir für unsere Kunden den Vorteil bieten, dass wir vertrauter und vertrauenswürdiger Partner sind. Denn im Internet ist es ja nicht immer klar, wo das Geld bleibt und ob die Ware kommt.

ANDREAS WEITKAMP
Andererseits ist ein wirklich kundenfreundlicher Online-Shop eine erhebliche Investition und nicht unsere Kernkompetenz. Wir investieren lieber hier im Laden – etwa in Personal und Beratungsqualität. Oder in ein zeitgemäßes Warenangebot …

RALF KLEIMANN
Sicherlich gibt es Kunden, die auch mal im Internet bestellen, doch für beste Qualität, gute Beratung und die Möglichkeit, vorher zu probieren, ist der Ladenverkauf weiterhin die Nr. 1. Ich sehe das Internet vor allem als Infokanal – wichtig, aber nicht bedrohlich.

PRINZIPAL
In Münster ist in den vergangenen Jahren viel passiert. Projekte wie die Münster-Arkaden oder die Stubengasse haben die Einzelhandelslandschaft in Münsters City geändert. Wie wirkt sich das auf den Prinzipalmarkt aus?

ALEXANDER GRÜMER

Ich glaube, Münster stößt langsam an Wachstumsgrenzen.

HENDIRK FRIEDERICHS
Also ich denke, dass es durchaus noch Segmente gibt, in denen in Münster Luft für weitere Anbieter ist. Ein paar Angebote fehlen uns noch, die der Stadt guttun würden. Aber vieles scheitert ja an den Mietvorstellungen der Eigentümer. Da werden Preise aufgerufen, als wären wir in München.

THOMAS ZUMNORDE
Der Prinzipalmarkt ist hier in Münster in Sachen Frequenz nicht der Spitzenreiter. Die Ludgeristraße hat die Nase vorn und liegt bundesweit in der Spitzengruppe. Wir müssen uns schon ins Zeug legen, um weiter ganz vorn zu bleiben.

ANDREAS WEITKAMP
Ich sehe die Entwicklung positiv. Wenn etwa der Alte Fischmarkt sich entwickelt oder irgendwann das Martiniviertel, profitiert davon auch der Prinzipalmarkt. Oft reicht ein neuer attraktiver Ankermieter, um die Laufwege zu verändern.

JAN EISMANN
Um den Prinzipalmarkt mache ich mir keine Sorgen. Wir sind hier das absolute Stadtzentrum. Jedes Fest, jede Demo findet hier statt. Hier ist das Rathaus. Und gerade in den vergangenen Jahren hat sich das Gemeinschaftsgefühl am Prinzipalmarkt weiterentwickelt. Hier sitzen zum Beispiel drei Textiler am Tisch, die eigentlich Konkurrenten sind. Wir können gemeinsam viel bewegen. Das gemeinsame Kundenmagazin Prinzipal oder die Webseite www.prinzipalmarkt.de
 sind da ein Beispiel. Jeder muss sein Unternehmen für sich erfolgreich machen, aber wir müssen gemeinsam die Leute auf den Prinzipalmarkt holen. Das haben, glaube ich, alle verstanden.

ALEXANDER GRÜMER
Ja, eine stärkere Öffnung nach außen halte ich auch für wichtig ...

RALF KLEIMANN
Das ist heute wichtiger denn je, jeder muss sich optimal präsentieren und klar herausstellen, wo die Stärken sind. Das geht in der Gemeinschaft definitiv besser, außerdem können Synergieeffekte genutzt und bessere Preise erzielt werden. An diesem Punkt kann man von großen Ketten ja durchaus etwas lernen.

THOMAS ZUMNORDE

Wobei wir noch deutlich mehr machen könnten, etwa Events. Warum nicht etwa der gemeinsame Laufsteg zur Saisoneröffnung ...

PRINZIPAL
Apropos neue Ideen. Was macht Ihre Generation anders als die davor? Was wird sich ändern?

JAN EISMANN
Also hier ändert sich ständig was. Aber Prinzipalmarkt bedeutet auch Kontinuität. Und die schätzen die Menschen an uns. Auch unsere Eltern vor 20 Jahren hätten – abgesehen vom Internet – wahrscheinlich über die gleichen Themen gesprochen.

RALF KLEIMANN
Ich glaube, dass sich die Menschen wieder stärker auf Werte rückbesinnen werden. Und dann wird sich unser Betrieb gar nicht groß ändern. Wir werden noch mehr lokale Produkte einsetzen und in nahezu geschlossenen Kreisen nachhaltig produzieren. Das ist ein Muss fürs Überleben in der Zukunft.

ANDREAS WEITKAMP
Als meine Frau und ich vor zwei Jahren in das Unternehmen eingetreten sind, haben wir mit einem Brief viele tausend Kunden informiert. Wir waren beeindruckt von der Anzahl und der Qualität der Rückmeldungen. In vielen Briefen haben uns unsere Kunden gebeten, bloß nicht zu viel zu ändern. Um Wandel ging es hier immer schon. Seit ich denken kann, haben wir die Handwerker im Haus, weil sich der Laden immer irgendwo an neue Trends anpasst. Aber die Leute wollen nicht das verlieren, was sie schätzen gelernt haben. Deshalb werden wir den Laden sicher nicht komplett umkrempeln.

THOMAS ZUMNORDE
Dynamische Beständigkeit wäre vielleicht das richtige Motto ...

JAN EISMANN
Bei uns ändert sich viel. Aber nicht, weil eine neue Generation am Ruder ist, sondern weil sich die Kunden ändern. Die Kunden wollen etwas erleben und
suchen Inspiration. Gute Produkte hinzustellen und dazu eine fundierte Beratung zu bieten, reicht nicht mehr. Deshalb haben wir etwa eine komplette Küche eingebaut und bieten Vorführungen und Veranstaltungen. Heute kommen viele mit der Erwartungshaltung rein: mal schauen, was heute in der Küche los ist. Da muss Einzelhandel mehr bieten. Das muss ja nicht immer der große Wurf, das strahlende Event sein. Es gibt Kunden, die jeden Samstag auf den Markt zu ihren vier, fünf Ständen gehen und über den Prinzipalmarkt schlendern und reinschauen. Denen müssen wir was bieten, damit sie uns morgen und übermorgen auch noch besuchen.

RALF KLEIMANN
Die Kunden fordern heute definitiv mehr als früher. Sie sind aber immer noch dankbar für tadellose Qualität. Der extrem hohe Konsum, den wir heute erleben, wird aber einem nachhaltigen Konsum weichen. Und das Verhältnis Kunde – Unternehmen wird von Respekt geprägt sein.

PRINZIPAL

Ein Thema noch: Wie sehen Sie die politischen Rahmenbedingungen in Münster?

ANDREAS WEITKAMP
Ach, man wundert sich schon, wenn man etwa die Diskussion über die Sonntagsöffnung verfolgt. Aber mit der üblichen Politiker-schelte macht man es sich natürlich immer leicht. Und da fällt mir Pier Luigi Loro Piana ein, ein bekannter italienischer Textilunternehmer, den ich letztes Jahr auf einer Tagung erlebt habe. Der meinte an alle deutschen Teilnehmer gerichtet: Warum jammert ihr Deutschen immer so ? Wir haben Berlusconi ...  ¶




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Kommentare
09.02.2017 Johnk286
von Johnk286
 
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